Trust Chaos – Tanz mit dem Schmetterling
Abschied, Krankheit, Planänderungen… und Neubeginn… Chaos eben… und Träume die einem etwas sagen wollen.
Heute (Sonntag, 12.07.2026) sollte meine 10–12-tägige Pässewanderung im Wallis starten. Die letzten Wochen habe ich mich intensiv darauf vorbereitet, trainiert, Material beschafft… Die Route studiert, mögliche Biwakplätze gesucht… Trekkingnahrung getestet… die Vorfreude war riesig, das Training hat Spass gemacht… aber nun, die Woche vor der Tour; das reinste Chaos…
Krankheit
Bereits letzten Sonntag fühlte ich mich elend, abends feierten wir den Geburtstag von Lilys Sohnemann. Am Montag der Entscheid für Homeoffice da ich mich die beginnende Erkältung spürte… Halsschmerzen… nachmittags ins Bett, sofort eingeschlafen und einen Traum gehabt, der mir so viel mehr sagte, als mir im ersten Moment klar war. Später mehr dazu. Danach fühlte ich mich besser, dennoch war ich die ganze Woche etwas neben mir. Ständige innere Unruhe, Unwohlsein, triefende Nase… ständig kurz vor dem Krankheitsausbruch… am Donnerstag der letzte externe Termin vor meinem Urlaub. Gegen Mittag war das Ende der Pendenzenliste sichtbar… ich entspannte mich… und die Erkältung knallte augenblicklich mit voller Wucht rein. Ich fühlte mich elend, fing an zu husten, wollte nur noch ins Bett. Was ich auch tat als ich zu Hause ankam. Am Freitag nochmals Homeoffice, letzte Pendenzen abarbeiten… und danach die Katze beim Tierarzt abholen und die Diagnose hören. Nochmals funktionieren… und nach diesem Termin hat es mich dann endgültig flachgelegt… und doch konnte ich mich dem noch nicht ganz hingeben, denn;
Abschied
Unser über alles geliebter Yoshi hat uns gestern verlassen. Ich hatte mich ja immer etwas lustig darüber gemacht, wenn Katzenhalter nach dem Tod ihrer geliebten Vierbeiner in Trauer waren… doch gestern wurde ich eines Bessern belehrt. Wir erfuhren am Freitagabend, dass jegliche Behandlung sein Leiden nur verlängern würde. Wir entschieden uns, ihn nochmals eine Nacht nach Hause zu nehmen, sodass mein Sohn sich noch verabschieden oder im besten Fall sogar im Lehrgeschäft einen freien Tag oder späteren Arbeitsbeginn für den Samstag zu beantragen. Meine Tochter kam am Freitagabend auch noch mit ihrem Freund zu uns, um sich von Yoshi zu verabschieden. Als wir dann am Samstagmorgen in Behandlungszimmer der Tierarztpraxis Yoshi auf seiner letzten Reise begleiteten, waren wir alle drei am Weinen… ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor eine derartige Trauer empfunden hatte. Niemals hätte ich das kommen sehen, obwohl ich Yoshi über alles liebte.

Doch ich denke an Sean Collins, ein Medium… und besonders an einen Post von ihm, in dem er schreibt:
«They (Pets) enter your life as you’re entering a new chapter : Like a spirit guide, they teach you, shape you and awaken something intentional within you. » und weiter: «They usually leave right before another big change or transformation happens…»
«…normalerweise verlassen sie uns direkt bevor eine grosse Veränderung oder Transformation geschieht»…und ich weiss, dass diese Transformation bei mir ansteht… darum gehe ich raus in die Natur, alleine… doch das System, das sich etabliert hat und mich in der Starrbilität festhält… der Grenzzyklus (in späteren Blogbeiträgen mehr dazu), will diese Veränderung nicht. Es kämpft dagegen… Und darum bricht wohl das Chaos gerade über mich herein… dass ich letztes Wochenende auch noch mein Auto geschrottet habe, passt übrigens auch noch grad dazu. Aber ich muss es ja nicht selbst reparieren und brauche es die nächsten zwei Wochen auch nicht… drum: Äätsch!!! …und dennoch ist es ein weiteres Stück Chaos… ein Schmetterling?
Trust Chaos
«Vertraue dem Chaos»… Tanz mit dem Schmetterling. So lautet der Titel meiner aktuellen Lektüre… nein, es ist viel mehr als eine Lektüre, es ist das kreative Chaos, die konstruktive Zerstörung in Buchform… ein Buch von 828 Seiten… das Format und Gewicht eines Ziegelsteins wie der Autor, Christian Zippel, schreibt. Ein Buch, mit dem man jemanden töten könnte… und das ist auch die Absicht des Autors, das Buch soll den Leser töten… nicht physisch, aber die falsche, starre und unauthentische Version des Lesers. Wer das verstehen will, versteht es. Es ist quasi LSD in Form eines Buches. Und es war… ist meine Vorbereitung auf meine Tour, die viel mehr ist als nur eine Tour, es soll eine kleine Reise zurück zu mir werden. Ich hatte das Buch, die 828 Seiten, in zwei Wochen verschlungen… nur um danach nochmals von vorne zu beginnen, mit Leuchtstift und Notizbuch… in das Notizbuch übertrage ich Schlüssel(ab)Sätze aus dem Buch, aber auch die Chaos-Aufgaben… Aufgaben, die den Leser zu sich führen… das Notizbuch kommt mit auf meine Tour. Es wird zugleich, nebst den Aufgaben, auch als Tagebuch dienen (und daraus wird dann sicher der eine oder andere Blogbeitrag entstehen).
Und so nehme ich das aktuell über mich hereinbrechende Chaos einfach hin. Habe den Tourstart schon vorgestern von Sonntag auf Montag… und heute Morgen während dem Spaziergang einfach auf Dienstag verschoben. Wer mich kennt, weiss, dass das für mich nicht leicht ist… ich halte es wie Bruce Lee:
“Empty your mind.
Be formless, shapeless, like water.
You put water into a cup; it becomes the cup.
You put water into a bottle; it becomes the bottle.
You put it into a teapot; it becomes the teapot.
Now water can flow, or it can crash.
Be water, my friend.”
Ich lasse meinen (starren) Plan los. Ich halte nur am Ziel fest… und kämpfe nicht gegen Widerstände, sondern «fliesse» um sie herum, passe mich ihnen an und reisse sie mit, crashe sie, spielerisch…

…halt! Stopp! Da war noch was… Der Traum
Ich bin am Flughafen, er ist riesig… meine Sportuhr zeigt mir den Weg zum Gate an, doch ich sehe das Display nicht scharf… irre durch den Flughafen, muss unbedingt meinen Flieger (Albania Air… warum auch immer) erwischen… versuche das Handy zu nutzen um zu navigieren, doch es lädt die Karte nicht… ich knie verzweifelt am Boden und schlage mein Handy auf denselben aus Wut und Verzweiflung… irre weiter durch den Flughafen, kaufe mir im Duty Free einen gigantischen Laubbläser den ich zusammen mit meinem vielen Gepäck durch den Flughafen schleppe… Komme zu den Gates und begegne einer Schweizer Crew… denke ich bewege mich in die richtige Richtung… nehme aber am Ende einen späteren Flug (von Albania Air) und zahle ordentlich drauf… und bin irgendwann zurück in der Schweiz… fahre nackt auf einem Kettcar (google) durch eine Arschtiefe Pfütze und frage den Arbeitskollegen, der neben mir fährt, wie er zurückgekommen ist… «ich habe einfach einen Flug einer anderen Fluggesellschaft genommen, hat nur CHF 5.- gekostet».
Selten hatte ich in meine Leben einen Traum, der so klar war… an den ich mich so deutlich erinnern konnte. Was will er mir sagen? …so einiges:
- Die Sportuhr hilft mir nicht, führt mich eher in die Irre, da ich zu sehr auf sie achte und zu wenig auf mein Gefühl
- Dasselbe mit dem Handy, das stört, lenkt ab und hat eh keine Ahnung und liefert hauptsächlich Bullshit
- Ich sollte besser leichter reisen, mir nicht so viel aufladen… gilt nicht nur für die Tour, sondern fürs gesamte Leben… aber hey! Die Bialetti lasse ich ganz sicher nicht zu Hause
- Bleib doch einfach flexibel… es gibt verschiedene Wege… und vielleicht gibt es günstigere, einfachere, bessere…
…be water my friend…