{"id":421,"date":"2026-08-10T14:02:16","date_gmt":"2026-08-10T14:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421"},"modified":"2026-08-12T18:59:14","modified_gmt":"2026-08-12T18:59:14","slug":"alpenpasse-wanderung-tag-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421","title":{"rendered":"Alpenp\u00e4sse-Wanderung, Tag 1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dienstag, 14.07.2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits die Anreise mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln ist spannend\u2026 Im Zug von Bern nach Lausanne sitzen mir zwei junge asiatische \u00abM\u00e4nner\u00bb gegen\u00fcber. Teure Klamotten, Schmuck, Tasche mit Hund\u2026 naja, Meerschweinchen w\u00e4re treffender\u2026 Bizepsans\u00e4tze, also scheinbar besuchen sie ein Gym, dennoch\u2026 von der Haltung her komplett degeneriert, st\u00e4ndig der Blick aufs Handy, dazu Ohrst\u00f6psel\u2026 Dauerbeschallung und -Besch\u00e4ftigung\u2026 unbedingt den L\u00e4rm im eigenen Kopf \u00fcbert\u00f6nen\u2026 ja, das ist ein Teil von mir selbst, den ich nur zu gut kenne. Wenn ich mit mir\u2026 mit meinem Lebenswandel nicht einverstanden bin, verhalte ich mich genauso. Der eine legt sein Handy zur Seite und schl\u00e4ft augenblicklich ein\u2026 hat sein Gehirn genug verbrutzelt, um nun schlafen zu k\u00f6nnen\u2026 wobei, die Ohrst\u00f6psel sind noch immer drin, und sorgen wahrscheinlich weiterhin daf\u00fcr, dass der L\u00e4rm in seinem Kopf \u00fcbert\u00f6nt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zug von Lausanne nach Martigny setze ich mich in ein freies Abteil, der ganze Wagen ist fast leer. Pl\u00f6tzlich steigt ein dicker Mann ein, f\u00fchrt Selbstgespr\u00e4che\u2026 die \u00fcblichen Urteile fallen\u2026 gest\u00f6rt, fett, schwach, krank\u2026 er setzt sich ins Abteil neben mir. Ich hoffe er bleibt bei seinen Selbstgespr\u00e4chen. Weit gefehlt, es dauert nicht lang, bis er mich auf meinen grossen Rucksack anspricht. Auf Franz\u00f6sisch nat\u00fcrlich. Wir verfallen in ein sehr angeregtes Gespr\u00e4ch, er erz\u00e4hlt mir viel \u00fcber Pflanzen\u2026 dar\u00fcber welche Beeren essbar sind und wo man sie findet\u2026 \u00fcber V\u00f6gel und was deren Verhalten einem \u00fcber das Wetter sagt\u2026 Mein Franz\u00f6sisch ist etwas eingerostet und so ergeben sich doch einige kuriose S\u00e4tze meinerseits \u00fcber die wir uns beide k\u00f6stlich am\u00fcsieren. Einige meiner Tour- und Bergerfahrungen notiert er sich in sein Notizbuch. Ich sch\u00e4me mich etwas daf\u00fcr, wie ich ihn zuerst direkt verurteilt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter sitze ich in Martigny am Bahnhof auf einer Bank, warte auf meinen Anschlusszug nach Le Ch\u00e2ble und esse mein Sandwich\u2026 ein englischsprechender junger Mann, dicke Muskeln, eindeutig Bodybuilder, aber in Wandersachen und Bergschuhen, setzt sich neben mich und spricht mich an\u2026 \u00abyou look like you\u2019re coming from the mountains\u00bb\u2026 ich verweise auf meine noch gutsitzende Frisur und dass diese darauf hindeutet, dass ich mich erst auf dem Weg in die Berge befinde. Er selber reist seit mehreren Wochen quer durch Europa, ohne festen Plan und ohne klares Ziel. Er hat nun einige Tage in den Bergen verbracht und reist nun nach S\u00fcdfrankreich ans Meer. Wir unterhalten uns gute 20 Minuten lang, bis ich in den Zug steigen muss. Eine sehr inspirierende Begegnung, er tut genau das, wovon ich auch tr\u00e4ume, einfach mal drauf los, ohne Plan und Ziel, sich dorthin treiben lassen, wo es einen hinzieht. Mir war noch nicht klar, dass es genau das sein wird, was meine Reise mich unter anderem lehren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Le Ch\u00e2ble, an der Talstation der Bergbahn dann meine erste Geduldsprobe, eine Frau mit zwei Kindern macht am Ticketschalter ein Riesentheater wegen keine Ahnung was\u2026 es dauert gef\u00fchlt ewig und mein 20kg Rucksack killt mich bereits jetzt. Irgendwann habe ich dann mein Ticket gel\u00f6st, besteige die Gondel und danach den Sessellift nach Le Pasay\u2026 Wende noch den Sonnenschutz-Spray an, den mir mein Sohn geschenkt hat. Denke an ihn, vermisse ihn\u2026 auch wenn ich diese Reise bewusst alleine mache, w\u00fcrde ich sie gerne mit ihm machen. Oben angekommen, mache ich mich abmarschbereit und gehe los\u2026 <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-427\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8230;bereits nach den ersten Paar Hundert Metern schmerzen die Schultern vom schweren Rucksack\u2026 die ersten H\u00f6henmeter zeigen mir, dass ich die Auswirkungen der Last untersch\u00e4tzt habe. Ich k\u00e4mpfe mit meiner Stimmung. Die wundersch\u00f6ne Umgebung h\u00e4lt die Moral halbwegs aufrecht. Ich muss mich an ein komplett anderes, tieferes Tempo gew\u00f6hnen. Irgendwann, beim Aufstieg in Richtung Mont Br\u00fbl\u00e9, bin ich kurz davor alles hinzuschmeissen\u2026 nat\u00fcrlich nicht wirklich, aber ich zweifle an meinem Plan\u2026nach etwa anderthalb Stunden\u2026 eine Raupe kreuzt meinen Weg\u2026 und ich denke an Zippel\u2026 an das Sinnbild der Raupe, die genau in dem Moment, in dem sie das Gef\u00fchl hat alles sei vorbei, zum Schmetterling wird. Ich packe meine St\u00f6cke und gehe weiter\u2026 und auf einmal begegnen mir nur noch Schmetterlinge. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_163126-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-428\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_163126-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_163126-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_163126-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_163126-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_163126-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_163126-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_165221-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-429\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_165221-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_165221-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_165221-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_165221-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_165221-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_165221-1-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Cabane du Col de Mille nochmals eine kleine Herausforderung\u2026 es gibt weder K\u00e4seschnitte noch sonst etwas richtiges zu essen\u2026 nur H\u00fcttenkuchen und Schorle\u2026 das hatte ich anders vorgesehen. W\u00e4hrend ich meinen Kuchen esse, turnen zwei Kinder herum und pl\u00f6tzlich erwischt mich ein Schwall Wasser aus dem Brunnen. Ich habe mich selbst noch nie so wundersch\u00f6n auf Franz\u00f6sisch fluchen h\u00f6ren. Die Jungs verschwinden ziemlich ver\u00e4ngstigt\u2026 Wieder darf ich etwas in mich gehen und mir klar werden, was mich da genau geritten hat\u2026 es waren nur zwei Kinder, die Spass hatten und sich nicht \u00fcberlegten, ob sie jemanden damit st\u00f6ren k\u00f6nnten\u2026 etwas das mir ziemlich fr\u00fch aberzogen wurde\u2026 noch heute habe ich oft das Gef\u00fchl, andere mit meiner reinen Anwesenheit zu st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann erreiche ich meinen beabsichtigten Biwakplatz an einem kleinen See, doch da campiert bereits eine Gruppe. Ich mache kurz Pause und \u00fcberlege, ob ich dennoch hier bleiben will, der Platz w\u00e4re zu gut&#8230; und doch&#8230; ich w\u00e4re lieber allein.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173651-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-430\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173651-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173651-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173651-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173651-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173651-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173651-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173700-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-431\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173700-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173700-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173700-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173700-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173700-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_173700-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich ziehe also nach der Pause weiter, obwohl ich schon mit jedem H\u00f6henmeter k\u00e4mpfen muss\u2026 wieder Zweifel\u2026 doch schon bald erreiche ich meinen alternativen Biwakplatz. Unweit davon wieder andere Leute die ebenfalls dort biwakieren. Ok, egal, ich bleibe. Ich bin zu kaputt um weiterzusuchen&#8230; Der Platz ist eigentlich super, es hat einen leeren Stall, in dem ich mich vor allf\u00e4lligen Gewittern in Sicherheit bringen k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_185706-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-432\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_185706-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_185706-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_185706-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_185706-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_185706-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_185706-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst lege mich hinter dem Stall in den Schatten um mich etwas zu erholen. Die Ameisen die \u00fcber meine Beine krabbeln sind mir v\u00f6llig egal. Der Puls kommt kaum runter und es ist der einzige Platz der Schatten bietet. Nachdem ich einigermassen erholt bin, suche ich mir einen guten Platz zum \u00dcbernachten, etwas abseits vom Weg und dennoch in der N\u00e4he des Stalles. Die Wetterprognose sieht ganz gut aus und es ist nur eine leichte Gewitterneigung gemeldet, also entscheide ich mich f\u00fcr Cowboy-Camping im Biwaksack unter freiem Himmel. Richte mich ein, bereite meine Trekking-Mahlzeit zu die nicht wirklich schmeckt\u2026 und stelle fest, dass mein Isomatte Luft verliert. Wieder ein D\u00e4mpfer. Als ich mit Lily und Timo telefoniere, klinge ich wohl ziemlich demoralisiert und sie zweifeln ebenfalls daran, ob ich meine Tour wirklich durchziehen werde. Sie sind nicht die einzigen, die daran zweifeln. Sp\u00e4ter stelle ich fest, dass ich nur das Ventil der Luftmatratze nicht korrekt geschlossen hatte\u2026 also alles ok damit. Wirklich gut schlafen\u2026 oder \u00fcberhaupt schlafen kann ich dennoch kaum\u2026 die Moskitos machen es auch nicht besser. Immerhin hat der Biwaksack ein Moskitonetz. Ich \u00fcberlege mir, basierend auf der Erfahrung des ersten Tages, die n\u00e4chste Etappe abzuk\u00fcrzen\u2026 also anstatt bis zur Ecurie de Vasevay oder Ecurie du Cr\u00eat, lediglich bis Mauvoisin zu gehen und dort eine Nacht im Hotel zu \u00fcbernachten\u2026 mir wird klar, dass ich den Einstieg langsamer gestalten muss. Dass es nochmals komplett anders kommen wird, sollte mir erst am n\u00e4chsten Tag klar werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_193940-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-433\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_193940-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_193940-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_193940-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_193940-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_193940-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_193940-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_210433-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-434\" srcset=\"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_210433-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_210433-300x225.jpg 300w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_210433-768x576.jpg 768w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_210433-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_210433-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_210433-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, 14.07.2026 Bereits die Anreise mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln ist spannend\u2026 Im Zug von Bern nach Lausanne sitzen mir zwei junge asiatische \u00abM\u00e4nner\u00bb gegen\u00fcber. Teure Klamotten, Schmuck, Tasche mit Hund\u2026 naja, Meerschweinchen w\u00e4re treffender\u2026 Bizepsans\u00e4tze, also scheinbar besuchen sie ein Gym, dennoch\u2026 von der Haltung her komplett degeneriert, st\u00e4ndig der Blick aufs Handy, dazu Ohrst\u00f6psel\u2026 Dauerbeschallung und -Besch\u00e4ftigung\u2026 unbedingt den L\u00e4rm im eigenen Kopf \u00fcbert\u00f6nen\u2026 ja, das ist ein Teil von mir selbst, den ich nur zu gut kenne. Wenn ich mit mir\u2026 mit meinem Lebenswandel nicht einverstanden bin, verhalte ich mich genauso. Der eine legt sein Handy zur Seite und schl\u00e4ft augenblicklich ein\u2026 hat sein Gehirn genug verbrutzelt, um nun schlafen zu k\u00f6nnen\u2026 wobei, die Ohrst\u00f6psel sind noch immer drin, und sorgen wahrscheinlich weiterhin daf\u00fcr, dass der L\u00e4rm in seinem Kopf \u00fcbert\u00f6nt wird. Im Zug von Lausanne nach Martigny setze ich mich in ein freies Abteil, der ganze Wagen ist fast leer. Pl\u00f6tzlich steigt ein dicker Mann ein, f\u00fchrt Selbstgespr\u00e4che\u2026 die \u00fcblichen Urteile fallen\u2026 gest\u00f6rt, fett, schwach, krank\u2026 er setzt sich ins Abteil neben mir. Ich hoffe er bleibt bei seinen Selbstgespr\u00e4chen. Weit gefehlt, es dauert nicht lang, bis er mich auf meinen grossen Rucksack anspricht. Auf Franz\u00f6sisch nat\u00fcrlich. Wir verfallen in ein sehr angeregtes Gespr\u00e4ch, er erz\u00e4hlt mir viel \u00fcber Pflanzen\u2026 dar\u00fcber welche Beeren essbar sind und wo man sie findet\u2026 \u00fcber V\u00f6gel und was deren Verhalten einem \u00fcber das Wetter sagt\u2026 Mein Franz\u00f6sisch ist etwas eingerostet und so ergeben sich doch einige kuriose S\u00e4tze meinerseits \u00fcber die wir uns beide k\u00f6stlich am\u00fcsieren. Einige meiner Tour- und Bergerfahrungen notiert er sich in sein Notizbuch. Ich sch\u00e4me mich etwas daf\u00fcr, wie ich ihn zuerst direkt verurteilt hatte. Sp\u00e4ter sitze ich in Martigny am Bahnhof auf einer Bank, warte auf meinen Anschlusszug nach Le Ch\u00e2ble und esse mein Sandwich\u2026 ein englischsprechender junger Mann, dicke Muskeln, eindeutig Bodybuilder, aber in Wandersachen und Bergschuhen, setzt sich neben mich und spricht mich an\u2026 \u00abyou look like you\u2019re coming from the mountains\u00bb\u2026 ich verweise auf meine noch gutsitzende Frisur und dass diese darauf hindeutet, dass ich mich erst auf dem Weg in die Berge befinde. Er selber reist seit mehreren Wochen quer durch Europa, ohne festen Plan und ohne klares Ziel. Er hat nun einige Tage in den Bergen verbracht und reist nun nach S\u00fcdfrankreich ans Meer. Wir unterhalten uns gute 20 Minuten lang, bis ich in den Zug steigen muss. Eine sehr inspirierende Begegnung, er tut genau das, wovon ich auch tr\u00e4ume, einfach mal drauf los, ohne Plan und Ziel, sich dorthin treiben lassen, wo es einen hinzieht. Mir war noch nicht klar, dass es genau das sein wird, was meine Reise mich unter anderem lehren sollte. In Le Ch\u00e2ble, an der Talstation der Bergbahn dann meine erste Geduldsprobe, eine Frau mit zwei Kindern macht am Ticketschalter ein Riesentheater wegen keine Ahnung was\u2026 es dauert gef\u00fchlt ewig und mein 20kg Rucksack killt mich bereits jetzt. Irgendwann habe ich dann mein Ticket gel\u00f6st, besteige die Gondel und danach den Sessellift nach Le Pasay\u2026 Wende noch den Sonnenschutz-Spray an, den mir mein Sohn geschenkt hat. Denke an ihn, vermisse ihn\u2026 auch wenn ich diese Reise bewusst alleine mache, w\u00fcrde ich sie gerne mit ihm machen. Oben angekommen, mache ich mich abmarschbereit und gehe los\u2026 &#8230;bereits nach den ersten Paar Hundert Metern schmerzen die Schultern vom schweren Rucksack\u2026 die ersten H\u00f6henmeter zeigen mir, dass ich die Auswirkungen der Last untersch\u00e4tzt habe. Ich k\u00e4mpfe mit meiner Stimmung. 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Sp\u00e4ter sitze ich in Martigny am Bahnhof auf einer Bank, warte auf meinen Anschlusszug nach Le Ch\u00e2ble und esse mein Sandwich\u2026 ein englischsprechender junger Mann, dicke Muskeln, eindeutig Bodybuilder, aber in Wandersachen und Bergschuhen, setzt sich neben mich und spricht mich an\u2026 \u00abyou look like you\u2019re coming from the mountains\u00bb\u2026 ich verweise auf meine noch gutsitzende Frisur und dass diese darauf hindeutet, dass ich mich erst auf dem Weg in die Berge befinde. Er selber reist seit mehreren Wochen quer durch Europa, ohne festen Plan und ohne klares Ziel. Er hat nun einige Tage in den Bergen verbracht und reist nun nach S\u00fcdfrankreich ans Meer. Wir unterhalten uns gute 20 Minuten lang, bis ich in den Zug steigen muss. Eine sehr inspirierende Begegnung, er tut genau das, wovon ich auch tr\u00e4ume, einfach mal drauf los, ohne Plan und Ziel, sich dorthin treiben lassen, wo es einen hinzieht. Mir war noch nicht klar, dass es genau das sein wird, was meine Reise mich unter anderem lehren sollte. In Le Ch\u00e2ble, an der Talstation der Bergbahn dann meine erste Geduldsprobe, eine Frau mit zwei Kindern macht am Ticketschalter ein Riesentheater wegen keine Ahnung was\u2026 es dauert gef\u00fchlt ewig und mein 20kg Rucksack killt mich bereits jetzt. Irgendwann habe ich dann mein Ticket gel\u00f6st, besteige die Gondel und danach den Sessellift nach Le Pasay\u2026 Wende noch den Sonnenschutz-Spray an, den mir mein Sohn geschenkt hat. Denke an ihn, vermisse ihn\u2026 auch wenn ich diese Reise bewusst alleine mache, w\u00fcrde ich sie gerne mit ihm machen. Oben angekommen, mache ich mich abmarschbereit und gehe los\u2026 &#8230;bereits nach den ersten Paar Hundert Metern schmerzen die Schultern vom schweren Rucksack\u2026 die ersten H\u00f6henmeter zeigen mir, dass ich die Auswirkungen der Last untersch\u00e4tzt habe. Ich k\u00e4mpfe mit meiner Stimmung. 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Ich habe mich selbst noch nie so wundersch\u00f6n auf Franz\u00f6sisch fluchen h\u00f6ren. Die Jungs verschwinden ziemlich ver\u00e4ngstigt\u2026 Wieder darf ich etwas in mich gehen und mir klar werden, was mich da genau geritten hat\u2026 es waren nur zwei Kinder, die Spass hatten und sich nicht \u00fcberlegten, ob sie jemanden damit st\u00f6ren k\u00f6nnten\u2026 etwas das mir ziemlich fr\u00fch aberzogen wurde\u2026 noch heute habe ich oft das Gef\u00fchl, andere mit meiner reinen Anwesenheit zu st\u00f6ren. Irgendwann erreiche ich meinen beabsichtigten Biwakplatz an einem kleinen See, doch da campiert bereits eine Gruppe. Ich mache kurz Pause und \u00fcberlege, ob ich dennoch hier bleiben will, der Platz w\u00e4re zu gut&#8230; und doch&#8230; ich w\u00e4re lieber allein. Ich ziehe also nach der Pause weiter, obwohl ich schon mit jedem H\u00f6henmeter k\u00e4mpfen muss\u2026 wieder Zweifel\u2026 doch schon bald erreiche ich meinen alternativen Biwakplatz. Unweit davon wieder andere Leute die ebenfalls dort biwakieren. Ok, egal, ich bleibe. Ich bin zu kaputt um weiterzusuchen&#8230; Der Platz ist eigentlich super, es hat einen leeren Stall, in dem ich mich vor allf\u00e4lligen Gewittern in Sicherheit bringen k\u00f6nnte. Zuerst lege mich hinter dem Stall in den Schatten um mich etwas zu erholen. Die Ameisen die \u00fcber meine Beine krabbeln sind mir v\u00f6llig egal. Der Puls kommt kaum runter und es ist der einzige Platz der Schatten bietet. Nachdem ich einigermassen erholt bin, suche ich mir einen guten Platz zum \u00dcbernachten, etwas abseits vom Weg und dennoch in der N\u00e4he des Stalles. Die Wetterprognose sieht ganz gut aus und es ist nur eine leichte Gewitterneigung gemeldet, also entscheide ich mich f\u00fcr Cowboy-Camping im Biwaksack unter freiem Himmel. Richte mich ein, bereite meine Trekking-Mahlzeit zu die nicht wirklich schmeckt\u2026 und stelle fest, dass mein Isomatte Luft verliert. Wieder ein D\u00e4mpfer. Als ich mit Lily und Timo telefoniere, klinge ich wohl ziemlich demoralisiert und sie zweifeln ebenfalls daran, ob ich meine Tour wirklich durchziehen werde. Sie sind nicht die einzigen, die daran zweifeln. Sp\u00e4ter stelle ich fest, dass ich nur das Ventil der Luftmatratze nicht korrekt geschlossen hatte\u2026 also alles ok damit. Wirklich gut schlafen\u2026 oder \u00fcberhaupt schlafen kann ich dennoch kaum\u2026 die Moskitos machen es auch nicht besser. Immerhin hat der Biwaksack ein Moskitonetz. Ich \u00fcberlege mir, basierend auf der Erfahrung des ersten Tages, die n\u00e4chste Etappe abzuk\u00fcrzen\u2026 also anstatt bis zur Ecurie de Vasevay oder Ecurie du Cr\u00eat, lediglich bis Mauvoisin zu gehen und dort eine Nacht im Hotel zu \u00fcbernachten\u2026 mir wird klar, dass ich den Einstieg langsamer gestalten muss. 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Teure Klamotten, Schmuck, Tasche mit Hund\u2026 naja, Meerschweinchen w\u00e4re treffender\u2026 Bizepsans\u00e4tze, also scheinbar besuchen sie ein Gym, dennoch\u2026 von der Haltung her komplett degeneriert, st\u00e4ndig der Blick aufs Handy, dazu Ohrst\u00f6psel\u2026 Dauerbeschallung und -Besch\u00e4ftigung\u2026 unbedingt den L\u00e4rm im eigenen Kopf \u00fcbert\u00f6nen\u2026 ja, das ist ein Teil von mir selbst, den ich nur zu gut kenne. Wenn ich mit mir\u2026 mit meinem Lebenswandel nicht einverstanden bin, verhalte ich mich genauso. Der eine legt sein Handy zur Seite und schl\u00e4ft augenblicklich ein\u2026 hat sein Gehirn genug verbrutzelt, um nun schlafen zu k\u00f6nnen\u2026 wobei, die Ohrst\u00f6psel sind noch immer drin, und sorgen wahrscheinlich weiterhin daf\u00fcr, dass der L\u00e4rm in seinem Kopf \u00fcbert\u00f6nt wird. Im Zug von Lausanne nach Martigny setze ich mich in ein freies Abteil, der ganze Wagen ist fast leer. Pl\u00f6tzlich steigt ein dicker Mann ein, f\u00fchrt Selbstgespr\u00e4che\u2026 die \u00fcblichen Urteile fallen\u2026 gest\u00f6rt, fett, schwach, krank\u2026 er setzt sich ins Abteil neben mir. Ich hoffe er bleibt bei seinen Selbstgespr\u00e4chen. Weit gefehlt, es dauert nicht lang, bis er mich auf meinen grossen Rucksack anspricht. Auf Franz\u00f6sisch nat\u00fcrlich. Wir verfallen in ein sehr angeregtes Gespr\u00e4ch, er erz\u00e4hlt mir viel \u00fcber Pflanzen\u2026 dar\u00fcber welche Beeren essbar sind und wo man sie findet\u2026 \u00fcber V\u00f6gel und was deren Verhalten einem \u00fcber das Wetter sagt\u2026 Mein Franz\u00f6sisch ist etwas eingerostet und so ergeben sich doch einige kuriose S\u00e4tze meinerseits \u00fcber die wir uns beide k\u00f6stlich am\u00fcsieren. Einige meiner Tour- und Bergerfahrungen notiert er sich in sein Notizbuch. Ich sch\u00e4me mich etwas daf\u00fcr, wie ich ihn zuerst direkt verurteilt hatte. Sp\u00e4ter sitze ich in Martigny am Bahnhof auf einer Bank, warte auf meinen Anschlusszug nach Le Ch\u00e2ble und esse mein Sandwich\u2026 ein englischsprechender junger Mann, dicke Muskeln, eindeutig Bodybuilder, aber in Wandersachen und Bergschuhen, setzt sich neben mich und spricht mich an\u2026 \u00abyou look like you\u2019re coming from the mountains\u00bb\u2026 ich verweise auf meine noch gutsitzende Frisur und dass diese darauf hindeutet, dass ich mich erst auf dem Weg in die Berge befinde. Er selber reist seit mehreren Wochen quer durch Europa, ohne festen Plan und ohne klares Ziel. Er hat nun einige Tage in den Bergen verbracht und reist nun nach S\u00fcdfrankreich ans Meer. Wir unterhalten uns gute 20 Minuten lang, bis ich in den Zug steigen muss. Eine sehr inspirierende Begegnung, er tut genau das, wovon ich auch tr\u00e4ume, einfach mal drauf los, ohne Plan und Ziel, sich dorthin treiben lassen, wo es einen hinzieht. Mir war noch nicht klar, dass es genau das sein wird, was meine Reise mich unter anderem lehren sollte. In Le Ch\u00e2ble, an der Talstation der Bergbahn dann meine erste Geduldsprobe, eine Frau mit zwei Kindern macht am Ticketschalter ein Riesentheater wegen keine Ahnung was\u2026 es dauert gef\u00fchlt ewig und mein 20kg Rucksack killt mich bereits jetzt. Irgendwann habe ich dann mein Ticket gel\u00f6st, besteige die Gondel und danach den Sessellift nach Le Pasay\u2026 Wende noch den Sonnenschutz-Spray an, den mir mein Sohn geschenkt hat. Denke an ihn, vermisse ihn\u2026 auch wenn ich diese Reise bewusst alleine mache, w\u00fcrde ich sie gerne mit ihm machen. Oben angekommen, mache ich mich abmarschbereit und gehe los\u2026 &#8230;bereits nach den ersten Paar Hundert Metern schmerzen die Schultern vom schweren Rucksack\u2026 die ersten H\u00f6henmeter zeigen mir, dass ich die Auswirkungen der Last untersch\u00e4tzt habe. Ich k\u00e4mpfe mit meiner Stimmung. Die wundersch\u00f6ne Umgebung h\u00e4lt die Moral halbwegs aufrecht. Ich muss mich an ein komplett anderes, tieferes Tempo gew\u00f6hnen. Irgendwann, beim Aufstieg in Richtung Mont Br\u00fbl\u00e9, bin ich kurz davor alles hinzuschmeissen\u2026 nat\u00fcrlich nicht wirklich, aber ich zweifle an meinem Plan\u2026nach etwa anderthalb Stunden\u2026 eine Raupe kreuzt meinen Weg\u2026 und ich denke an Zippel\u2026 an das Sinnbild der Raupe, die genau in dem Moment, in dem sie das Gef\u00fchl hat alles sei vorbei, zum Schmetterling wird. Ich packe meine St\u00f6cke und gehe weiter\u2026 und auf einmal begegnen mir nur noch Schmetterlinge. Bei der Cabane du Col de Mille nochmals eine kleine Herausforderung\u2026 es gibt weder K\u00e4seschnitte noch sonst etwas richtiges zu essen\u2026 nur H\u00fcttenkuchen und Schorle\u2026 das hatte ich anders vorgesehen. W\u00e4hrend ich meinen Kuchen esse, turnen zwei Kinder herum und pl\u00f6tzlich erwischt mich ein Schwall Wasser aus dem Brunnen. Ich habe mich selbst noch nie so wundersch\u00f6n auf Franz\u00f6sisch fluchen h\u00f6ren. Die Jungs verschwinden ziemlich ver\u00e4ngstigt\u2026 Wieder darf ich etwas in mich gehen und mir klar werden, was mich da genau geritten hat\u2026 es waren nur zwei Kinder, die Spass hatten und sich nicht \u00fcberlegten, ob sie jemanden damit st\u00f6ren k\u00f6nnten\u2026 etwas das mir ziemlich fr\u00fch aberzogen wurde\u2026 noch heute habe ich oft das Gef\u00fchl, andere mit meiner reinen Anwesenheit zu st\u00f6ren. Irgendwann erreiche ich meinen beabsichtigten Biwakplatz an einem kleinen See, doch da campiert bereits eine Gruppe. Ich mache kurz Pause und \u00fcberlege, ob ich dennoch hier bleiben will, der Platz w\u00e4re zu gut&#8230; und doch&#8230; ich w\u00e4re lieber allein. Ich ziehe also nach der Pause weiter, obwohl ich schon mit jedem H\u00f6henmeter k\u00e4mpfen muss\u2026 wieder Zweifel\u2026 doch schon bald erreiche ich meinen alternativen Biwakplatz. Unweit davon wieder andere Leute die ebenfalls dort biwakieren. Ok, egal, ich bleibe. Ich bin zu kaputt um weiterzusuchen&#8230; Der Platz ist eigentlich super, es hat einen leeren Stall, in dem ich mich vor allf\u00e4lligen Gewittern in Sicherheit bringen k\u00f6nnte. Zuerst lege mich hinter dem Stall in den Schatten um mich etwas zu erholen. Die Ameisen die \u00fcber meine Beine krabbeln sind mir v\u00f6llig egal. Der Puls kommt kaum runter und es ist der einzige Platz der Schatten bietet. Nachdem ich einigermassen erholt bin, suche ich mir einen guten Platz zum \u00dcbernachten, etwas abseits vom Weg und dennoch in der N\u00e4he des Stalles. Die Wetterprognose sieht ganz gut aus und es ist nur eine leichte Gewitterneigung gemeldet, also entscheide ich mich f\u00fcr Cowboy-Camping im Biwaksack unter freiem Himmel. Richte mich ein, bereite meine Trekking-Mahlzeit zu die nicht wirklich schmeckt\u2026 und stelle fest, dass mein Isomatte Luft verliert. Wieder ein D\u00e4mpfer. Als ich mit Lily und Timo telefoniere, klinge ich wohl ziemlich demoralisiert und sie zweifeln ebenfalls daran, ob ich meine Tour wirklich durchziehen werde. Sie sind nicht die einzigen, die daran zweifeln. Sp\u00e4ter stelle ich fest, dass ich nur das Ventil der Luftmatratze nicht korrekt geschlossen hatte\u2026 also alles ok damit. Wirklich gut schlafen\u2026 oder \u00fcberhaupt schlafen kann ich dennoch kaum\u2026 die Moskitos machen es auch nicht besser. Immerhin hat der Biwaksack ein Moskitonetz. Ich \u00fcberlege mir, basierend auf der Erfahrung des ersten Tages, die n\u00e4chste Etappe abzuk\u00fcrzen\u2026 also anstatt bis zur Ecurie de Vasevay oder Ecurie du Cr\u00eat, lediglich bis Mauvoisin zu gehen und dort eine Nacht im Hotel zu \u00fcbernachten\u2026 mir wird klar, dass ich den Einstieg langsamer gestalten muss. Dass es nochmals komplett anders kommen wird, sollte mir erst am n\u00e4chsten Tag klar werden.","og_url":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421","og_site_name":"Goldener K\u00e4fig, offenes Zelt","article_published_time":"2026-08-10T14:02:16+00:00","article_modified_time":"2026-08-12T18:59:14+00:00","og_image":[{"width":2560,"height":1920,"url":"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-scaled.jpg","type":"image\/jpeg"}],"author":"simonpct","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Written by":"simonpct","Est. reading time":"7 minutes"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421"},"author":{"name":"simonpct","@id":"https:\/\/offeneszelt.com\/#\/schema\/person\/44d3db86ab2f5568abf02939a1250450"},"headline":"Alpenp\u00e4sse-Wanderung, Tag 1","datePublished":"2026-08-10T14:02:16+00:00","dateModified":"2026-08-12T18:59:14+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421"},"wordCount":1214,"commentCount":0,"image":{"@id":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/offeneszelt.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/20260714_134105-2-1024x768.jpg","articleSection":["Blog"],"inLanguage":"en-US","potentialAction":[{"@type":"CommentAction","name":"Comment","target":["https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421#respond"]}]},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421","url":"https:\/\/offeneszelt.com\/?p=421","name":"Alpenp\u00e4sse-Wanderung, Tag 1 - 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